|
Nicole Benning hat die Schweiz auf Schusters Rappen durchquert. Hier ist ihr Bericht:
Der 100 km Lauf im Rahmen der DUV-Challenge in Leipzig oder Sommerurlaub in den geliebten Bergen? Eine Frage, die ich mir im Frühjahr stellte. Die Entscheidung war schnell getroffen. Zwei 100 km Läufe im Jahr 2010 sind mehr als genug – ich wollte lieber noch an den Zeiten auf den Unterdistanzen arbeiten und im Sommer Bergurlaub machen. (Dass ich in Biel beim zweiten 100er wegen Magenproblemen verkürzen sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht).
Daher meldete ich mich zum Trans Swiss Run an, einem 7-tägigen Etappenlauf quer durch die Schweiz. 370 km und ca. 12.000 hm von Kreuzlingen am Bodensee nach Lausanne am Genfer See. Die ganze Veranstaltung ist kein Rennen, was nicht heißt, dass es sich um einen Sonntagsspaziergang handelt. Aber man hat etwas mehr Ruhe, um die Landschaft, die Aussichten, die Berge und auch die Verpflegung unterwegs zu genießen. Das Teilnehmerfeld war ziemlich illuster, zahlreiche bekannte Namen – meine Wenigkeit war da im Vergleich eher ein Etappenlaufanfänger.
Ein besonderes Kennzeichen des Trans Swiss ist, dass die Strecke nicht markiert wird. Jeder bekommt Kartenmaterial ausgehändigt, in dem die Route eingezeichnet ist. Oder man läuft nach GPS. Da ich so etwas nicht besitze und mir auch nicht anschaffen wollte, lief ich zusammen mit Jochen nach Karte. Dies macht unglaublich viel Spaß (jedenfalls, wenn man gerne mit Landkarten hantiert), dauert aber auch lange. Man muss ständig aufpassen, dass man nicht mal aufgrund einer Unachtsamkeit falsch abbiegt, denn dann ist’s geschehen! Bis man merkt, dass man falsch ist, kann schon mal eine halbe Stunde vergehen. Ist uns auf der fünften Etappe passiert. Erst als es fast senkrecht zu den Höhenlinien nach unten ging, zweifelten wir endgültig an unserer Wegführung! Das war bei aller Fantasie so nicht auf der Karte eingezeichnet! Meine Angst vor diesem glitschigen und halsbrecherischen Abstieg verhinderte, dass wir weiter falsch liefen. Also alles noch mal zurück und bis an die Stelle laufen, an der wir zum letzten Mal sicher richtig waren. Wir sind so insgesamt fast eine Stunde lang umhergeirrt und haben den richtigen Weg gesucht. Das ist bei täglichen Laufzeiten zwischen 6 und 9 Stunden nicht mehr wirklich lustig! Wir hatten es geschafft, ganz ganz hinten zu sein und niemanden mehr zu sehen. Ein komisches Gefühl, denn wir fürchteten, dass die Verpflegungsstationen schon abgebaut waren, bis wir ankamen und dass wir irgendwie mutterseelenallein in der Schweiz umherirren. Natürlich war die ganze Sorge unbegründet, denn man hat auf uns gewartet und wir haben nach und nach auch wieder Mitläufer des Trans Swiss eingeholt.
Wie ging es mir unterwegs? Prima! Keine Schwierigkeiten und selbst kleine Wehwehchen wie eine Blase blieben aus. Ich bin die ganze Zeit zusammen mit Jochen gelaufen, immer im Wohlfühltempo, wir wollten schließlich Urlaub in den Bergen machen. Sicher gab es Momente, in denen ich einen Durchhänger hatte. Da wurden die Schritte langsamer oder die Motivation ließ nach. Aber das gehört ja auch dazu. Manchmal schimpfte ich auch wie ein Rohrspatz über den vielen Matsch und die Hinterlassenschaften der Kühe auf den ohnehin schon vom Regen durchweichten Pfaden. Gummistiefel wären an solchen Passagen die bessere Schuhwahl gewesen. Am letzten Tag machte ich dann auch noch Bekanntschaft mit dem Boden, gleich zwei Mal nahm ich ein Matschbad, sollen ja gesund sein so Schlammbäder. Meist war ich aber begeistert vom Laufen durch die Schweiz, ein tolles Erlebnis in einer noch tolleren Landschaft. Dass man sie oft vor lauter Wolken am Himmel nicht richtig sehen konnte, ist ein wenig schade. Aber wenn ich an die letzte Etappe nach Lausanne und die Temperaturen von mehr als 30 Grad denke, dann waren mir die kühlen und regnerischen Bedingungen insgesamt doch lieber.
Für mich war der Trans Swiss eine wirklich einwandfreie Veranstaltung und nach dem Trans Alpine-Run und einigen privaten Etappenläufen ein weiterer sehr empfehlenswerter Mehrtageslauf.
|