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100 km-World Cup in Lake Saroma/Japan
DLV-Ultramarathonteam holt im Land der aufgehenden Sonne Bronze
Am 26.6.2005 fand auf der nördlichsten japanischen Insel Hokkaido anlässlich der zwanzigsten Auflage des Lake Saroma-Ultramarathon der diesjährige World Cup im 100 km-Lauf statt. In der Historie der Meisterschaften, die seit 1989 ausgetragen werden, war es nach 1994 bereits die zweite Veranstaltung auf dieser Strecke.
Neben den World Cup-Startern nahmen rund 2500 Ultraläufer/Innen am offenen Lauf teil. Zusätzlich wurde ein 50 km-Lauf mit etwa 500 Teilnehmern durchgeführt.

Das DLV-Team vor der Flaggenparade
Bei dem Wettkampfkurs handelt es sich um eine vollkommen asphaltierte Punkt-zu-Punkt-Strecke, die weitgehend am Lake Saroma entlang verläuft. Das Rennen wird vollständig auf öffentlichen Straßen ausgetragen, die für den Straßenverkehr nicht gesperrt sind. Die Strecke wird aber durch den örtlichen Organisator gemeinsam mit der Polizei in vorbildlicher Weise gesichert, die Sicherheit der Teilnehmer war so jederzeit gewährleistet. Der personelle Aufwand dafür ist allerdings beträchtlich und anderswo kaum vorstellbar.
Das DLV-Team war mit zwei vollständigen Mannschaften angereist. Von der 1994er Mannschaft war mit Routinier Michael Sommer (EK Schwaikheim) noch ein Athlet aus dem Team vertreten, welches seinerzeit die Goldmedaille in der Mannschaftswertung errang. Dr. Thomas Miksch (TV Jahn-Kempten) und Jörg Hooß (LTF Marpingen), zwei international sehr erfahrene Athleten, sowie Nationalmannschaftsneuling Michael Becker (LG Leipzig Grünau) komplettierten das Männerteam.
Bei den Frauen waren neben der letztjährigen EM-Dritten Tanja Hooß (LTF Marpingen) Birgit Schönherr-Hölscher (PV Tria Witten), Simone Stöppler (SSC Hanau-Rodenbach) und Jutta Kolenc (TG Biberach) am Start. Für Jutta Kolenc war es ebenfalls die erste internationale Nominierung für den DLV.
Bereits beim Eintreffen auf Hokkaido deutete sich an, dass die äußeren Bedingungen schwierig werden würden, denn das Thermometer am Flughafen zeigte 33,4° Celsius an. Untypisch für die Insel, wie uns versichert wurde. Normalerweise sei es um diese Jahreszeit mit Tagestemperaturen um die 20 ° C durchaus angenehm. Anders wäre auch nicht zu erklären, dass auf dieser Strecke die aktuellen Weltrekorde über die 100 km-Distanz aufgestellt wurden.
Besondere Schwierigkeiten ergeben sich naturgemäß durch den Zeitunterschied von sieben Stunden, die Anpassung muss erst einmal vollzogen werden. Dies gelingt naturgemäß nicht jedem, der Mangel an Schlaf wirkt sich selbstverständlich nicht gerade leistungsfördernd aus.
Die Besichtigung der Strecke vor dem Wettkampf ergab, dass der Kurs wellig, aber schnell und landschaftlich äußerst reizvoll war. Schnell wurde klar, dass mit Schatten nicht gerechnet werden konnte. Die zu erwartende Hitze war demzufolge in der Mannschaftsbesprechung das bestimmende Thema. Die grundsätzliche (defensive) Marschroute auf der ersten Rennhälfte wurde ausgiebig erörtert und für jedes Teammitglied individuell festgelegt. Diese Taktik sollte sich am Ende auszahlen.
Bereits beim Start um fünf Uhr morgens lagen die Temperaturen über der 20 ° C-Marke und kletterten schnell auf deutlich über 30 ° C. 100 km in der prallen Sonne am wolkenlosen blauen Himmel waren also angesagt!
Bei km 10 war mit dem Italiener Mario Ardemagni der amtierende Welt- und Europameister in einer Durchgangszeit von 36:10 min. vorne. Natürlich hatte er sich auf diesem Kurs einiges vorgenommen, brach aber bereits bei km 40 ein und wurde nach hinten durchgereicht. Großen Respekt verdiente, dass Ardemagni sich nicht zu schade war, durchzulaufen und noch in 7:10:22 h zu finishen.
Die Folgen eines überzogenen Anfangstempos teilte er allerdings mit vielen, die ihre Renneinteilung nicht an die Temperaturen angepasst hatten.

Birgit Schönherr-Hölscher bei km 50 – Tanja Hooß liegt nur wenige Meter dahinter
Nicht so Michael Sommer. Nach dem Start zwischen Platz 50 und 60 liegend, hatte sich der Schwaikheimer bei km 50, die er in 3:28:40 h passierte, bereits um gut 20 Plätze nach vorne gearbeitet. Bei km 79 ging er noch als Dreizehnter in die letzten 20 Kilometer, die auf einer landschaftlich besonders attraktiven Wendepunktschleife auf einer Landzunge absolviert werden.
Auf dieser Landzunge hatte er 1994 bei seinem Debut im DLV-Nationalteam erhebliche Probleme gehabt. Diesmal nicht – man hatte geradezu den Eindruck, als habe er nur auf diese Passage gewartet.
Eine gnadenlose Tempoverschärfung stand an - unaufhaltsam arbeitete sich Michael weiter nach vorne.
Zwei Kilometer vor dem Ziel überholte er den lange Zeit weit vor ihm liegenden, wie viele andere in der Spitze uneinholbar scheinenden ersten Amerikaner Howard Nippert und nahm ihm bis ins Ziel noch 1:45 Minuten (!) ab.
Die letzten 5 Kilometer seines gleichmäßigen Rennens mit zwei absolut identischen Hälften absolvierte Michael Sommer damit in 19:50 min. und erreichte schließlich Platz 7 in 6:57:35 h – eine taktische Meisterleistung, mit der er wieder einmal seine internationale Klasse dokumentierte.

Michael Sommer im Ziel – wieder einmal unter sieben Stunden!
Auch Jörg Hooß und Michael Becker liefen ein ausgezeichnetes Rennen. Jörg, nicht gerade ein Hitzeläufer, musste zwischen km 60 und 80 etwas Tempo herausnehmen, kam aber ab km 80 noch einmal stark auf und erzielte Platz 13 in 7:09:18 h. Unter anderen Bedingungen wäre die 7 h-Marke sicher gefallen, schade, dass die Temperaturen dies nicht zuließen.
Michael Becker lief, ähnlich wie Michael Sommer, ein äußerst gleichmäßiges Rennen mit zwei fast identischen Hälften. So kam er ohne besondere Probleme ins Ziel und errang Platz 19 in 7:18:25 h.
Dr. Thomas Miksch musste ab km 60 mit Magenproblemen kämpfen, die ihn für eine ganze Weile zu einer deutlichen Reduzierung seines Tempos zwangen. Später kam er ins Rennen zurück und beendete den Wettkampf auf Platz 26 in angesichts der Umstände noch guten 7:35:19 h.

Das erfolgreiche Männerteam, von links: Jörg Hooß, Michael Sommer, Michael Becker
Die Männer errangen so Bronze in 21:25:19 h hinter Japan (20:34:17 h) und Frankreich (20:43:27 h)!
Auch das DLV-Frauenteam zeigte von Anfang an eine mustergültige taktische Einstellung. Tanja Hooß, in der Vorbereitung auf diesen Wettkampf durch eine hartnäckige Verletzung gehandikapt und Birgit Schönherr-Hölscher liefen weitgehend gemeinsam und hatten sich bei Halbzeit bereits in die Nähe der Top-Ten vorgearbeitet. Jutta Kolenc folgte nicht weit dahinter.
Bei km 79 gingen Tanja und Birgit unter den Top-Ten auf die letzten 20 Kilometer. Während Tanja ihr Tempo halten konnte und auf Platz 8 in 8:23:25 h finishte, musste Birgit ab km 90 der Hitze Tribut zollen. Magenprobleme zwangen zu einer drastischen Temporeduzierung, die letzten 4 Kilometer sollten beinhart werden. Stark dehydriert, aber mit vorbildlichem Kampfgeist biss sie sich durch und kam in 8:31:10 h auf Platz 11 ins Ziel.
Jutta Kolenc musste auf der zweiten Hälfte das Tempo etwas reduzieren und finishte nur einen Rang hinter Birgit in 8:37:44 h. Wie Michael Becker gelang ihr damit ein glänzender Einstand im Nationalteam!
Simone Stöppler hatte mit den Bedingungen besonders zu kämpfen, ein Atemwegsinfekt machte ihr von Beginn an das Leben schwer. Platz 19 in 9:21:53 h war schließlich der Lohn ihrer Mühe.
Die bemerkenswert geschlossene Mannschaftsleistung bedeutete für die DLV-Frauen Platz 4 (25:32:19 h) in der Teamwertung hinter USA (24:46:39 h), Frankreich (25:01:07 h) und Japan (25:17:40 h). Mit nur einer knappen Viertelstunde Rückstand auf Platz 3 wurde wieder Tuchfühlung zur Weltspitze aufgenommen.
Bei den Männern siegte der Russe Grigorig Murzin mit 6:24:15 h, die Frauenwertung gewann die Japanerin Hiroko Syou in 7:53:41 h.
Angesichts der aus deutscher Sicht guten Resultate fällt es leicht, ein positives Fazit zu ziehen – Japan war eine Reise wert.
Autor: Volkmar Mühl, DLV-Nationalteamleiter 100 km, DUV-Präsident 06/2005
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