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Warum die Abwahl Volkmar Mühls aus meiner Sicht notwendig war. Von Herbert Hausmann.
Nach der Abwahl Volkmar Mühls in Troisdorf hat es viele Irritationen unter den Mitgliedern der DUV gegeben. Ich möchte deshalb für die vielen Mitglieder, die erst nachträglich von den Turbulenzen erfahren haben noch einmal die Fakten darlegen, weshalb Volkmar Mühl für die DUV als Präsident nicht mehr tragbar war und die mich persönlich dazu bewogen haben, dem „Rebellenlager“ beizutreten, wie uns Volkmar Mühl im Vorfeld genannt hat. Das versuche ich ohne jede Polemik und bemühe mich um eine nüchterne Darstellung der Fakten, so wie sie sich aus meiner Sicht darstellen. Auch wenn ich kein neutraler Beobachter mehr bin, möchte ich meine Argumente darstellen, im neuen Präsidium zu kandidieren. Ich denke, hiermit zu mehr Transparenz beizutragen.
Ich weiß noch genau, wie mir Martina, wir waren gerade beim Pilze sammeln, erklärte, bei den Europameisterschaften im 24-Stundenlauf 2003 in Uden in den Niederlanden hätte Volkmar Mühl die gesamte Mannschaft aufgefordert, die Startnummer mit Sicherheitsnadeln am Laufhemd zu befestigen, und den Läufern und Läuferinnen ihre Musik verboten, weil sie sonst riskieren würden, disqualifiziert zu werden. „Das kann ich nicht glauben. Da spricht doch nichts dagegen, und außerdem hat ein Präsident der DUV doch andere Probleme, als sich mit solchen Kleinigkeiten abzugeben.“ war meine erste Reaktion. Und als sie darauf bestand, war ungläubiges Kopfschütteln meine zweite.
Die Startnummernbänder und die Musik und die Vermessung von Restmetern bei 6-Tageläufen auf der Bahn sind eigentlich solche Lappalien, über die es sich kaum lohnt, ein Wort zu verlieren. Da sie aber so stur vorgetragen und gebetsmühlenartig wiederholt wurden, obwohl die ganze Welt mit Startnummernband läuft und bei Meisterschaften das Musik Hören auch bei Topläufern durchaus seit Jahren üblich ist, ohne mit den Schiedsrichtern Probleme zu bekommen, und es auf der ganzen Welt nicht einen einzigen 6-Tagelauf auf der Bahn gibt, bei dem Restmeter vermessen werden, führte das in der Folge zu geradezu grotesken Regeln, mit denen die Athleten um ihre Leistung betrogen wurden.
Volkmar Mühl hatte tatsächlich nie das Startnummernband verboten, wie er auch in seinem Plädoyer in der Mitgliederversammlung in Troisdorf darlegte. Man müsse es nur über der Brust befestigen, versuchte mir Volkmar Mühl in einem langen Telefongespräch zu erklären. Dass es dann aber unter der Achsel die weiche Haut wund scheuert, sei das Problem des Läufers. Dass auch eine Startnummer auf Gürtelhöhe gut lesbar sei, interessierte ihn nicht. Wer sich nicht die teuren Funktionshemden oder Goretexjacken zerstechen wollte, riskierte die Disqualifikation. Auf Martinas Anfrage, was passieren würde, wenn sie dennoch ohne Startnummer weiter liefe, antwortete er, sie würde dann für einige Jahre gesperrt. Das Startnummernband ist also ein genauso schwer wiegendes Delikt wie Doping! Allerdings nur in Deutschland! Die restliche Welt war davon nicht betroffen. Die Siegerin von Uden trug ihre Startnummer an der Mütze auf dem Kopf und das wurde zu keinem Zeitpunkt von den Schiedsrichtern beanstandet.
Topathleten, die sich damit nicht abfinden wollten, oder die an einer Laufveranstaltung teilnehmen wollten, die auf Volkmar Mühls Index stand, wurden nicht mehr ins Nationalteam aufgenommen, obwohl sie dafür hoch qualifiziert waren. So durfte Ilona Schlegel nur deshalb nicht beim 24-Stundenlauf in Wörschach am 16./17. Juni 2005 in der Nationalmannschaft starten, weil sie vom 16. bis 20. Mai den Isarlauf über 328 km in fünf Etappen in ihre Trainingsvorbereitungen integrieren hatte, der von der Zeit her hervorragend in ihren Trainingsplan für Wörschach passte, wie mir andere erfahrene Ultraläufer versicherten, darunter beim 6-Stundenlauf von Troisdorf auch Harry Arndt, und wie Ilonas Leistung von 206,427 km zeitgleich beim 24-Stundenlauf in Köln auch zeigt. Mit dieser Leistung wäre sie in Wörschach in der WM-Frauenwertung auf dem 9. und bei der EM auf dem 5. Rang gewesen. Lediglich Volkmar Mühl meinte, dass der Isarlauf für Ilonas Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Wörschach kontraproduktiv wäre. Das hatte er als Begründung angeführt, Aber was war der eigentliche Grund? Zufällig hieß der Veranstalter des Isarlaufs Ulrich Welzel und der Isarlauf stand deshalb auf dem Index von Volkmar Mühl an erster Stelle. Ist das Förderung von leistungsorientierten Läufern? Als DUV-Präsident muss man objektiv bleiben können und seine persönlichen Ressentiments außen vor lassen. Ebenfalls nicht nominiert wurde Heike Pawzik, weil sie in Reichenbach startete. Aber in Köln lief sie in 48 Stunden trotzdem mit 300 km ein internationales Topresultat, das beweist, dass sie in sehr guter Form war. Die DUV hätte also mit Ilona Schlegel, Marion Braun und Heike Pawzik eine erfolgreiche Damenmannschaft melden können, die die 577,841 Kilometern von Frankreich überboten hätte und damit hinter Russland, Japan und den USA hypothetisch den 4 Platz belegt und in der EM-Wertung sogar die Silbermedaille errungen hätte.
Vor allem die Vorgänge um den 6-Tagelauf von Erkrath gaben bei Martina und mir den Ausschlag, uns den „Rebellen“ anzuschließen und für eine Änderung in der Führung der DUV einzutreten. Dabei geht es nur vordergründig um die Vermessung oder Nichtvermessung von Restmetern, sondern darum, dass Läufer und Läuferinnen, die sich gezielt ein ganzes Jahr lang auf einen Wettkampf vorbereitet hatten, mit Scheinargumenten um die Früchte ihres erfolgreichen Trainings gebracht werden. Es gibt weltweit keinen einzigen 6-Tagelauf auf der Bahn, bei dem zusätzlich zu den vollen Runden noch die Restmeter vermessen werden. Vor allem auch deshalb nicht, weil sie weltweit nicht gelaufen werden! Die von Volkmar Mühl gebetsmühlenartig wiederholte Regel des DLV gilt verbindlich für Zeitläufe bis zu einer Stunde. Für längere Läufe hat sich der DLV im Gegensatz zu Volkmar Mühl schon längst bewegt. Nach Volkmar Mühls Logik müssten eigentlich sämtliche Rekorde aberkannt werden, die bei den 48 Stunden von Surgères erzielt wurden, weil dort noch nie Restmeter vermessen wurden. Aber seine eigene Logik wurde von Volkmar Mühl selbst wieder durchlöchert.
Um bei diesem rein deutschen Alleingang einen Schein von Internationalität zu waren, erfand er an den Haaren herbeigezogene Ausnahmeregelungen. Ein Rekord würde anerkannt, falls er von einem deutschen Läufer oder einer deutschen Läuferin im Ausland, aber sonst unter gleichen Bedingungen gelaufen worden wäre. Martina hätte also nach Colac in Australien reisen müssen, obwohl sie einen gleich gearteten Wettkampf praktisch vor der Haustür hatte. Dann hätte Volkmar Mühl ihren Rekord als deutschen Rekord anerkannt. Diese Aussage erhielt sie von dem Statistikmitarbeiter Matthias Holtermann. Desgleichen sollte die Anerkennung nicht versagt werden, wenn Ausländer in Erkrath einen Rekord gelaufen sind. Christine Bodet hatte keinerlei Probleme, ihren Weltrekord in der W45 und ihren nationalen Rekord in Frankreich anerkennen zu lassen. Zu ihrem Glück reichten Volkmar Mühls Arme nur bis zur französischen Grenze. Die Mühlsche Bedingung galt also nur für Deutsche in Deutschland! In Mulhouse hatte Martina den französischen Läufern und Funktionären, unter anderem auch den Siegern von Erkrath Claude Hardel und Christine Bodet, von den Vorgängen in Deutschland berichtet und von allen nur ungläubiges Kopfschütteln geerntet. Keiner konnte ihrem Bericht glauben, dass sie vom Präsidium außer von dem Outlaw Wolfgang Olbrich kein einziges Wort der Anerkennung erhalten hatte, obwohl sie die Vorgänge zur Sicherheit auf Französisch, Deutsch und schließlich noch auf Englisch schilderte. Ist das sportlich im Sinne der Athleten? Dieser sinnlose Streit um solche Lappalien ist und bleibt jedem vernünftig denkenden Sportler und Funktionär unverständlich. Claude Hardel und Christine Bodet wurden von ihrem Verband beglückwünscht und stolz gefeiert.
Wenn Volkmar Mühl sich die Mühe gemacht hätte, einmal bei einer solchen Veranstaltung die letzten Stunden mit zu erleben, dann hätte er gesehen, dass die Würfel schon lange vor der letzten Runde gefallen waren und der Wettkampf eigentlich schon vorbei war. Kurz vor dem Ende legten alle Läufer die letzte Runde gemeinsam zurück und freuten sich zusammen über die unzähligen Höhen und Tiefen, die sie während der letzten sechs Tage gemeinsam erlebt hatten, und keiner dachte nur im entferntesten daran, auch noch einen einzigen Meter heraus zu schinden. Unmittelbar nach der Ziellinie blieben alle Läufer und Läuferinnen stehen und beglückwünschten sich, auch wenn vielleicht noch eine Minute Zeit geblieben wäre. Das Gegeneinander war zu einem großartigen finalen Miteinander geworden. Will Volkmar Mühl ausmessen lassen, ob einer zufällig beim Gongschlag einen Meter oder fünf Meter hinter der Ziellinie steht? Und um diese Leistung eines neuen deutschen Rekords von 743,850 Kilometern, die ohne jeden Zweifel objektiv in 144 Stunden erlaufen wurde, sollte eine Athletin von Volkmar Mühl betrogen werden, der sich besonders den leistungsorientierten Läufern verpflichtet fühlt. Die Veranstaltung war vom DLV genehmigt und die Organisation wurde von den anwesenden Schiedsrichtern auf das höchste gelobt. Der Nachweis der Leistung wurde sowohl vom DLV als auch von der IAU ohne Bedenken akzeptiert. Volkmar Mühl hingegen hatte versucht, dieses großartige Fest und Schaufenster der DUV für eine hochkarätige internationale Besetzung zu diskreditieren und über den Landesverband Nordrhein-Westfalen des DLV sogar versucht, ihm nachträglich die Genehmigung zu entziehen, obwohl diese Veranstaltung bereits einige Tage alt war.
Eine solches Verhalten ist eines Präsidenten der DUV schlicht unwürdig. Ein vernünftig denkender Mensch kann es beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie hier auf den Rücken der Athleten persönliche Machtkämpfe ausgetragen wurden. Ich denke aber, es ist nachvollziehbar, dass Martina und ich unter diesen Umständen für uns keine Zukunft mehr in einer DUV unter Volkmar Mühl sehen konnten und deshalb zunächst die Unterschriftenaktion der „Rebellen“ unterstützt haben. Als Uli Welzel bei mir wegen einer Mitarbeit im neuen Präsidium anfragte, habe ich nach nur kurzer Bedenkzeit zugesagt, aus meinem angenehmen Schneckenhaus des nur Läufers heraus zu kriechen und Verantwortung zu übernehmen. Das sture Festhalten an den Lappalien hatte eine Sprengkraft entwickelt, die man sich eigentlich gar nicht vorstellen konnte. Am 12. November wurde in Troisdorf der Kurs der Deutschen Ultramarathonvereinigung in einer demokratischen Abstimmung korrigiert.
Und Martinas Deutscher Rekord wurde am Samstag, den 12. November 2005, in Troisdorf gegen ca. 20:00 Uhr als erste Amtshandlung vom neuen Präsidium anerkannt und sie wurde in die lange Liste der zu ehrenden DUV-Sportler des Jahres 2005 aufgenommen.
Herbert Hausmann 11/2005
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