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Von den Siegern lernen: Jörg Hooß

Überall wo Jörg Hooß hinkommt, wird er nach Tipps gefragt: „Jörg, wie machst Du das?“  ist eine Standardfrage in der Laufszene des Saarlandes. Der Respekt gegenüber diesem Athleten und seinen Fähigkeiten als Stratege und akribischer Planer ist enorm und eine Besonderheit, denn Ultraläufer gelten gemeinhin als etwas scheu, sind es oft auch und suchen auch nicht immer den Kontakt zum gewöhnlichen Laufvolk. Der 40-Jährige von den Lauftreff-Freunden (LTF) Marpingen hält es anders. Er ist bei vielen Volks- und Straßenläufen im Saarland und im angrenzenden Rheinland-Pfalz Gast und mischt sich auch gern bei den anschließenden Feiern unter die Leute. Das ist sicher nicht die schlechteste Werbung für den Ultralauf und vermittelt dem Sportler, bei allen hohen Ambitionen und professioneller Einstellung, eine gewisse Bodenständigkeit. Jörg und Ehefrau Tanja (geborene Schäfer) nehmen auch regelmäßig an den Lauftreffs ihres Marpinger Vereins teil und sind sich nicht zu schade, in den langsamen Gruppen mitzujoggen und  Laufanfängern die ersten Schritte beizubringen. „Angenehmere Athleten kann man sich nicht wünschen“, freut sich Karl-Heinz Wagner, Chef der LTF Marpingen.

Jörg Hooß, deutscher Vizemeister im 100-Kilometer-Lauf, gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten des saarländischen Sportes. Begonnen hatte er als Fußballer, lief 1991 seinen ersten Marathon in Hamburg (3:17), war vom Lauffieber angesteckt, hörte mit dem Kicken auf und lief 1993 in Rheine den ersten Hunderter in 7:45 Stunden.

Von Anfang an war er Trainings-Autodidakt, sozusagen sein eigenes Versuchskaninchen, das im ständigen „Versuch und Irrtum“ die passenden Laufwege suchte und fand. Da Jörg Hooß selten krank und verletzt ist und fast immer froh und ausgeglichen durchs Leben geht (beruflich als Computer-Sachbearbeiter), dürfte er nicht allzu verkehrt liegen.

In einem normalen Trainingsjahr legt Jörg Hooß etwa 7300 Kilometer zurück, das sind etwa 20 am Tag. Die Trainingsgestaltung zielt auf zwei bis drei herausragende Läufe (deutsche  und internationale Meisterschaften). Acht bis zwölf Wochen vor diesen Ereignissen startet er intensive Trainingsprogramme, bei denen in der Woche auch schon einmal an die 300 Kilometer zusammenkommen. Jörg Hooß hat auf diese Weise seine Bestzeiten im Marathon auf 2:34 Stunden und auf 7:02 Stunden im 100-Kilometer-Lauf gesteigert. 2003 gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft die Bronzemedaille bei der WM in Taiwan. Er ist mit der Mannschaft Marpingens neunfacher deutscher Meister im 100-Kilometer-Lauf. Die 7-Stunden-Marke zu knacken darf man ihm durchaus zutrauen. Soeben ist er erneut in den WM-Kader für die WM in Japan berufen worden.   

Ein großes Glück für Jörg Hooß ist, dass die seit 2002 angetraute Tanja die Laufleidenschaft teilt. Sie können so einen großen Teil der Freizeit gemeinsam verbringen. Die Reisen mit der Nationalmannschaft in alle Welt entschädigen für so manche Strapaze im Training. Manchmal im Babyjogger mit dabei: Tochter Jana, fast drei Jahre alt. Wie es aussieht, wird auch sie Läuferin. „Aber das darf sie natürlich selber entscheiden“, versichert der tolerante Vater.   

 

Autor: Peter Wagner 02/2005

 
 
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