DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V.
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Dr. Karl Lennartz, einen der Gründungsväter der DUV und erster DUV-Präsident überhaupt
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Wann und wie kamen Sie zum Ultramarathon? (Nebenfrage: seit wann laufen Sie überhaupt?)

Als ich elf Monate war. Im Ernst: Nach dem Examen arbeitete ich nur sitzend und steigerte mich von 75 auf 92 Kilo. Als ich mit 30 beim 5.000-m-Lauf das Sportabzeichen aufgeben mußte, begann ich zu laufen.

Meine Kinder (Burkhard und Birgit, Anm. d. Red), neun bzw. acht, liefen mit und waren bald schneller. Dazu bauten wir eine Laufgruppe auf. Ich schrieb das Buch "Kinder laufen lieber länger".

 

Mein erster Marathon in 4:19 h. Ich trainierte mehr. 1981 liefen wir Marathon in New York in ca. 3:06 h. Die Laufgruppe wurde größer und schneller. Meine Bestzeiten: 16:40 min, 34:57 h, 1:30 h, 2:42 h, 8:33 h, Ich lief dreimal 100 km in Biel. Zum ersten Mal 1984, weil mein Sohn es unbedingt wollte. 100 km waren mir aber zu lang. Tochter und Sohn wurde richtige Ultras. 1986 wurden starke Herzrhythmusstörungen festgestellt, entweder geerbt von meiner Mutter oder durch einen grippalen Infekt. Lief noch ein paar Jahre täglich langsam eine Stunde. 1998 erhielt ich meinen ersten, 2005 meinen zweiten Schrittmacher. Laufe nicht mehr. Fahre mit einem Rad mit Elektrohilfe bei Anstiegen. Habe so mehr Zeit zum Bücherschreiben.

Haben Ihre Forschungsergebnisse auch zu einem anderen Erleben des eigenen aktiven Sportes geführt?

Ja. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Medizinern, van Aaken und Deutsche Sporthochschule, konnten wir manches erforschen und veröffentlichen. Dies lief aber nur nebenbei, da ich hauptberuflich Sporthistoriker bin.

Wie beurteilen Sie die Glaubwürdigkeit des Sportes und dessen Funktionärswesen vor dem Hintergrund zunehmender Manipulationen durch Doping, Sportwetten und Ergebnisabsprachen?

Die Ideale bzw. die Werte des Sports sind nach wie vor erstrebenswert.

Leider gibt es viele Trainer, Funktionäre und Mediziner, die bewußt gegen diese Werte verstoßen und manipulieren. Zum Doping schrieb ich in meinem Bericht über meine Erlebnisse in Beijing bei den Olympischen Spielen:
Zum Sport will ich nicht allzuviel sagen. In den Medien konnte sich in Deutschland jeder informieren. Es wurden phantastische Leistungen vollbracht, aber auch so manch Fragwürdiges. Haben die Chinesen mit ihren Erfolgen nicht hin und wieder übertrieben? Warum wird auf einmal so schnell geschwommen und in Jamaika so schnell gelaufen? Fast zwei Jahrzehnte hatten die Schwimm-Weltrekorde aus der DDR-Zeit ihre Gültigkeit. Jeder wußte, wie sie zustande gekommen waren. Jetzt wurden sie weit übertroffen. Das kann nicht nur mit dem Becken und der Veränderung des Schwimmstils erklärt werden. Nach dem 100-m-Lauf der Männer bin ich dann später beim 200-m-Lauf in die Lounge gegangen, ich wollte es einfach nicht mehr sehen! Oder wenn von zwölf Endkämpfern in einer Wurfdisziplin über die Hälfte schon einmal für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen wurde, kommen einem so seine Gedanken. Ich weiß, daß man Doping nicht voll und ganz verhindern kann. Es gibt aber viel mehr Möglichkeiten, das Risiko wesentlich zu erhöhen. Warum schafft man nicht wenigstens gleiche Voraussetzungen. Dabei wäre es so leicht, wenn es gewollt würde. Viererlei müßte geändert werden:
1. Wer nicht in den vier Monaten vor den Spielen wenigstens dreimal unangemeldet getestet wurde, kann nicht unter die besten 16 kommen. Er wird dann als 17. gelistet bzw. kann nicht am Halbfinale teilnehmen. Dann ist es nicht mehr möglich wie in Athen, daß ein deutscher Gewichtheber den Olympiasieger fragt, wie oft, und der sagt nur heute, während der deutsche Athlet zehnmal im Vorfeld kontrolliert wurde.
2. Von allen Preisgeldern wird eine Antidopingsteuer von 10 % erhoben, die in die Forschung geht bzw. für weitere Testlabors verwendet wird.
3. Die EU, die uns auch die Größe und Krümmung der Bananen vorschreibt, zwingt alle Mitgliedsländern die Antidoping-Gesetzgebung auf, die im Moment die schärfsten Vorschriften hat.
4. Wird ein Dopingsünder erwischt, wird die ganze Mannschaft in dieser Sportart aus dem Wettkampf ausgeschlossen.

(Fragen Gabi Gründling & Dr. Stefan Hinze im Dezember 2008)

 

 
 
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