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Saïd Kahla ist in Brno gelaufen, hier ist sein Bericht:
In der Vorbereitung zur Sakura Michi dachte ich mir, ein langer Lauf wäre angezeigt. Schließlich, obwohl der der Termin relativ spät ausfiel, schienen mir die 48h von Brno in der Tschechei gut geeignet. Eine lange kontrollierte Strecke in der Halle also ohne witterungsbedingte Einflüsse, inklusive eine erste und sogar 2. Nachtetappe. Dies dürfte doch zum Teil die japanischen Verhältnisse widerspiegeln. Ungeplant im Vorfeld war die Teilnahme Ostern als DUV-Vertreter an einen Staffellauf in Frankreich zwischen Maas und Mosel. Hier betrug meine Strecke 90 km, bei Regen, Schnee, Graupel und schließlich herrliche Sonne. Mit 15h Zeit für diese Distanz war aber der Trainingseffekt gesichert.
Die Anfahrt nach Brno mit 750km war auch keinen Leckerbissen, aber in Brno (Brünn) trifft man auf ein Team mit Erfahrung. Tomas Rusek hat alles im Griff. Mit meinem Sohn als Betreuer und Fahrer (für die Heimkehr) übernachten wir in der Universität in unmittelbare Nähe zum Messeplatz wo die Veranstaltung in einer riesigen runden Halle stattfindet.
Nach dem Start , erste Überraschung; Yiannis Kouros ist dabei. Nach ein paar Runden bemerke ich einen gestikulierenden, schimpfenden Mitläufer: er ist es. Er dreht seine 250m Runden in einer knappen Minute, ein höllisches Tempo und schubst alles was sich im Weg befindet. Der amtierende Rekordhalter Tony Mangan aus Irland ist auch dabei, hat die Sache etwas ruhiger angehen lassen und ist bereits auf den 9. Platz zurück gefallen. Wir laufen auf der Innenbahn, auf der Außenbahn finden diverse Läufe statt , was eine interessante Ablenkung ist. Ich starte , wie gewohnt sehr langsam und belege nach 2 Stunden den 33 Platz bei 36 TeilnehmerInnen. Zum Spaß hänge ich mich mal an Kouros und absolviere in seinem Tempo 2 Runden, mörderisch, ich kann gleich mein verschwitztes T-Shirt wechseln. Sein Betreuer muß auch seine Launen aushalten, was er auch gut hin bekommt. Das rasante Tempo lässt vermuten, dass er den Rekord anvisiert. Mangan hat bereits aufgegeben und sonst gibt es keine nennenswerte Konkurrenz. Ich schließe die 70 km und bin schon auf den 18. Platz vorgerückt. Zu diesen Zeitpunkt stehen bei Kouros bereits 100km auf dem Konto. Im Feld macht sich die erste Leistungsdelle breit, ich kann mein Tempo halten und erreiche nach 11:37h die 100km. Ich spekuliere bereits auf eine Verbesserung meiner 24h-Bestleistung, die bei 188km liegt, sollte dies gelingen hätte ich hier ein konkretes Ziel erreicht. Ich fühle mich wohl und mein Betreuer macht einen guten Job. Inzwischen hat sich Mangan nach 145 km aus dem Rennen zurückgezogen und schläft in seinem Zelt.
Da er nicht schlecht aussah vermute ich, dass er sich für Surgere schont. Nach 19 Stunden bin ich ohne zu beschleunigen unter den Top 10. Die kurzen Pausen machen es möglich, ich werde summiert 30 Minuten ruhen in den 2 Tagen. Zur Halbzeit erreiche ich 191 km, für mich ist das unvorstellbar wenn ich daran denke wie es mir am Ende ein 24h Lauf mit 188km ging. Ich setzte mir jetzt als Ziel, die 250 km unter 36h: also die Sakura Michi Vorgabe. Es gelingt mir auch in 33:57h, damit habe ich unter optimalen Bedingungen noch einen Polster von 2 Stunden herausgearbeitet, ob das für Japan reicht ?
Kouros hat 175 Runden Vorsprung auf den 2. Da eine Verbesserung der Marke außer Reichweite ist, lässt er es jetzt ruhiger angehen. Er schimpft nicht mehr wie ein Rohrspatz und entschuldigt sich sogar beim Überholen. Jetzt macht er sogar eine Liegepause. Da es mir noch gut ging, versuche ich jetzt, mein Klassement zu verbessern. Die japanischen Trainingsvorgaben sind vergessen, ich muss hier und heute das Potential ausnutzen und meine 48h Distanz verbessern. Inzwischen bin ich ganz locker an der Russin Irina Koval vorbeigezogen. Vor ein paar Monaten, zwischen Athen und Sparta, konnte ich nur ihren Rücken sehen. Ich belege den 6. Platz und werde jetzt heftig von dem Tschechen Dan attackiert. Mein Polster schrumpft auf 4 Runden Vorsprung, aber Hüftprobleme und die Müdigkeit zwingen ihn zur Pause. Die letzten Stunden kann ich unerreichbar mein Runden durchziehen. Nach 48h erreiche ich 322 km. Im Ziel entschuldigt sich Tony bei Yiannis für die nicht aufgenommene Herausforderung. Aber wahrscheinlich ist alle nur vertagt bis Surgere, da wird es mit Sicherheit wieder spannend. Mir bleiben genau 3 Wochen Erholung bis zum Start in Nagoya an der Pazifikküste Japans am Freitag 18. April.
(Said Kahla 04/2008)
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