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100 km - World Challenge: ein Erlebnisbericht
Die Fortsetzung...
Tag 2 - 6.11.2008
Der zweite Tag beginnt auch wieder sonnig und warm. Um etwa zehn Uhr bin ich im Archäologiepark Vulci, einer ehemals größeren etruskischen Stadt, die als letzte Bastion im Kampf gegen die Römer gilt. Hier sind umfangreiche Ausgrabungen zu sehen. Ein kleines Museum stellt zudem einige von den reichen Etruskern aus Griechenland importierte Keramiken aus. Gegen Mittag wird es mir dann auf der ehemaligen Stadtmauer dann doch zu warm und ich fahre zurück.
Am frühen Nachmittag bewölkt sich der Himmel und über dem Meer sind Gewitterblitze zu sehen. Ich entschließe mich, noch einige Kilometer zu laufen, bevor der Regen einsetzt. Permanent werde ich durch die vielen Wachhunde angebellt. Zum Glück laufen sie nicht frei herum.
Später fahre ich nach Tuscania und kann dabei noch einige Teile der Strecke inspizieren. Einfach ist sie sicherlich nicht. In Tuscania findet sich weiterhin kein Hinweis auf den nahenden World Cup. Auch Maurizia kennt zwar den Lauf, weiß nichts von dem bedeutenden Ereignis.
Das Museum im Tuscania stellt sehr schöne etruskische Keramiken aus. Zudem sind Sarkophage aus den umliegenden Nekropolen zusammengetragen. Wie bereits in Vulci bin ich der einzige Besucher.
Heute Abend werden auch die Mitglieder des deutschen Nationalteams anreisen und haben dann noch einen Tag Zeit, um sich auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten. Es gibt hier genügend Möglichkeiten, sich von der wachsenden Nervosität abzulenken.
Tag 3 – 7.11.2008
Nachdem mein Mobiltelefon seit gestern keinen Netzempfang mehr bietet, versuche ich in Tarquinia einen öffentlichen Fernsprecher zu finden, denn ich habe mich mit Rainer Koch verabredet, um die Nekropolen und das Museum zu besichtigen.
Wir treffen uns beinahe zufällig und können unseren Plan dann auch durchführen. Die anderen Mitglieder des Nationalteams sind zu einer Streckenbesichtigung aufgebrochen.
Das Museum bietet eine Vielzahl sehr interessanter etruskischer Ausstellungsstücke. Nachdem wir in aller Ruhe einen Teil der Exponaten gesehen haben, nehmen wir in einer Pizzeria noch ein kleines Mittagessen ein, bevor ich Rainer zu seinem Hotel nach Tarquinia Lido zurückbringe. Für in beginnt nun der offizielle Teil (Mannschaftsbesprechung, Athletenpräsentation).
Ich fahre zurück in meine Wohnung, ruhe mich eine Stunde aus, um dann meine Startunterlagen in Tuscania abzuholen. Dort sagt man mir, die Ankündigung auf der Homepage des Veranstalters sei falsch, also wieder ins Auto und 25 km nach Tarquinia. Hier gibt es natürlich keine Ausschilderung und so gehe ich zum Marktplatz, wo gerade die Athleten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Für Deutschland trägt Dorothea Frey die Fahne. Das Interesse der Allgemeinheit ist groß.
Nach vielen Fragen finde ich endlich die Startnummernausgabe und kann wieder heim fahren, wo ich mich dann schlafen lege.
Tag 4 – 8.11.2008 Das Rennen
Maurizia und Stefano bringen mich nach Tuscania zum Start. Freundlicherweise wollen sie mich auch in Tarquinia wieder abholen. Sicherheitshalber verabrede ich mich auf 18.00 Uhr mit ihnen (etwas zu optimistisch, wie sich später herausstellen sollte).
Vor dem Start treffe ich bereits viele deutsche Athletinnen und Athleten des Nationalteams und wir wünschen uns gegenseitig viel Erfolg. Auch Nicole Benning und Jürgen Höschele sind hier. Hektische Nervosität allenorten. Nach endlosen Ankündigungen und Begrüßungen, die in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Lautsprechern tönen, geht es endlich los. Durch die engen Gassen von Tuscania laufen wir auf die breite Straße in Richtung Tarquinia. Noch einmal wünscht man sich viel Erfolg, doch dann bin ich zunächst allein unterwegs. Allerdings erkenne ich in etwa 200 Meter Abstand vor mir Rainer Koch und Karlheinz Wild, zu denen ich nach zehn Kilometern aufschließen kann. Wir laufen nun gemeinsam auf der SP Roccaccia, einer kleinen hügeligen Straße, durch das ländliche Latium bis hinunter zum Meer. Nach 41 km biegen wir in eine Runde von 14 km ein, die es nun vier Mal zu bewältigen gilt. Eine fünf Kilometer lange Passage mit kräftigem Gegenwind bildet den Auftakt. Rainer muss abreißen lassen. Zu zweit laufen wird noch weitere 20 km, dann kommt auch bei mir ein unvermittelter, heftiger Einbruch. Völlig kraftlos muss ich immer wieder Gehpausen einlegen. Nein, so habe ich mir das aber gar nicht vorgestellt und ich erwäge ernsthaft, den Lauf abzubrechen, da ich die angestrebte Endzeit von 7:30 nicht mehr erreichen werde. Schließlich erinnere mich an meine Verabredung mit Maurizia und Stefano und laufe in die letzte Runde ein, auf der es auch wieder ein wenig besser läuft. Der finale Anstieg nach Tarquinia stellt kein größeres Problem dar. Nach einer Rennzeit von 8:11 h sehe ich an der Ziellinie dann die Beiden. Sie freuen sich sehr, mich einlaufen zu sehen und ich bin nun auch sehr glücklich, durchgehalten zu haben.
Auch die anderen deutschen Finisher sind da und wir sprechen kurz miteinander. Niemand hat aufgrund der Streckenführung seine Zeitvorgabe einhalten können, aber alle haben sich maximal angestrengt, das ist deutlich zu sehen. Ich bewundere die Leistungen der anderen, mit meiner eigenen bin ich natürlich nicht so zufrieden. Später erfahre ich, dass es im offenen Lauf mit Nicole sogar eine deutsche Siegerin gegeben hat, was mich riesig freut.
Leider kann ich vom Lauf keine Fotos anbieten.
Tag 5 – 9.11.2008 „Postraceday“
Um sieben Uhr bin ich bereits nicht mehr schlafwillig. Meinen Beinen geht es verhältnismäßig gut und so entschließe ich mich, einen Ausflug an den Bolsena-See zu unternehmen. Strahlender Sonnenschein erwartet mich. Am Seeufer kann ich mich noch ein wenig ausruhen und die frische Luft genießen. Keine Touristen weit und breit.
Das kleine mittelalterliche Städtchen Bolsena bietet schön Aussichten auf den See, die richtige mentale Erholung.
Am Nachmittag fahre ich noch einmal nach Tarquinia. Dort treffe ich auf Marion und Wolfgang Braun. Marion hat ein sehr gutes Rennen absolviert und Wolfgang hatte ich bereits im Rahmen seiner Betreuertätigkeit an der Strecke gesehen. Beide wollen noch eine Woche Urlaub im Latium machen. Wir reden, sehen ein schönen Sonnenuntergang über dem Meer. Die Dunkelheit kommt schnell, das wissen wir seit gestern genau. Ich verabschiede mich und wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Rodgau.
Stefan Hinze 11/08
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